Im Beauty-Markt entscheidet Vertrauen über den Kauf. Naturkosmetik, vegane Formulierungen und Tierschutz sind längst Massentrends – und unabhängige Siegel sind das schnellste sichtbare Signal dafür. Dieser Leitfaden zeigt Kosmetik-Herstellern, welche Testsiegel für Kosmetik es gibt, was gesetzlich Pflicht ist, welche Werbeaussagen erlaubt sind und wie Sie das passende Siegel auswählen.
Pflicht vs. freiwillig – die wichtigste Unterscheidung
- Pflicht (EU-Kosmetikverordnung): Sicherheitsbewertung, Produktinformationsdatei, CPNP-Notifizierung, korrekte Kennzeichnung, Tierversuchsfreiheit.
- Freiwillig: alle Siegel von NATRUE bis Dermatest – sie sind keine Sicherheits-, sondern Vertrauens- und Differenzierungsinstrumente.
Naturkosmetik- und Bio-Siegel
NATRUE
Das europäische NATRUE-Label kennt drei Stufen – Naturkosmetik, Naturkosmetik mit Bio-Anteil und Bio-Kosmetik. Es gilt als besonders streng bei erlaubten Inhaltsstoffen und Verarbeitungsmethoden. Zertifikate sind in der Regel zwei Jahre gültig.
COSMOS (NATURAL und ORGANIC)
COSMOS ist der international am weitesten verbreitete Naturkosmetik-Standard. COSMOS NATURAL verlangt natürliche Inhaltsstoffe, COSMOS ORGANIC zusätzlich einen hohen Bio-Anteil aus kontrolliert biologischem Anbau. Vergeben wird er über zugelassene Zertifizierer wie Ecocert oder BDIH.
BDIH, Ecocert und demeter
BDIH ist das klassische deutsche Naturkosmetik-Siegel, Ecocert die bekannte französische Zertifizierungsstelle. Am strengsten ist demeter mit biodynamischem Anspruch und sehr hohem Anteil an Demeter-Rohstoffen.
Achtung: Die Norm ISO 16128 berechnet einen „Natur-Anteil“, ist aber kein zertifizierbares Siegel. Wer damit als Naturkosmetik wirbt, riskiert den Greenwashing-Vorwurf.
Vegan und tierversuchsfrei
Wichtig vorab: vegan ist nicht gleich tierversuchsfrei. Vegan bedeutet ohne tierische Inhaltsstoffe, tierversuchsfrei bedeutet ohne Tierversuche. Erst Kombi-Siegel decken beides ab.
Leaping Bunny
Der strengste international anerkannte Cruelty-free-Standard verlangt, dass weder das Produkt noch einzelne Rohstoffe im Tierversuch getestet wurden – mit unabhängigen Audits. Tierische Inhaltsstoffe sind jedoch erlaubt.
PETA und Veganblume
PETAs Programm bietet eine tierversuchsfreie und eine zusätzlich vegane Stufe. Die Veganblume der Vegan Society kennzeichnet vegane Produkte. Welche Stufe sinnvoll ist, hängt von Rezeptur und Zielmarkt ab.
Dermatologische Tests und Hautverträglichkeit
Dermatest und SGS
Dermatest (Münster) vergibt nach Probandenstudien Bewertungen wie „sehr gut“ oder das 5-Sterne-Siegel; das Standardverfahren ist der Epikutantest mit mindestens 30 Probanden. SGS bietet vergleichbare Verträglichkeits-Prüfungen.
„Dermatologisch getestet“ richtig einordnen
Die Floskel „dermatologisch getestet“ ist nicht gesetzlich definiert und sagt nur, dass getestet wurde – nicht mit welchem Ergebnis. Ein vergebenes Siegel mit Bestehensschwelle ist deutlich aussagekräftiger.
Allergiker-Siegel
Das ECARF-Siegel der Europäischen Stiftung für Allergieforschung kennzeichnet allergikerfreundliche Produkte nach quantitativer Risikobewertung mit Probandentests. Auch der Deutsche Allergie- und Asthmabund (DAAB) vergibt ein relevantes Label.
Verbraucher-Testurteile: Stiftung Warentest und ÖKO-TEST
Beide prüfen auch Kosmetik – ÖKO-TEST besonders streng auf bedenkliche Inhaltsstoffe. Diese Urteile sind keine Siegel, die man beantragt; man wird getestet und darf gute Ergebnisse lizenziert bewerben. Wie sich die Institute unterscheiden, zeigt der Testsiegel-Vergleich.
Rechtlicher Rahmen: Was Hersteller wissen müssen
EU-Kosmetikverordnung
Die Verordnung (EG) Nr. 1223/2009 verlangt vor Markteinführung eine Sicherheitsbewertung, eine Produktinformationsdatei und die CPNP-Notifizierung über eine verantwortliche Person in der EU. Tierversuche für Kosmetik sind in der EU verboten, der Verkauf entsprechend getesteter Produkte seit 2013 ebenfalls.
Werbeaussagen nach der Claims-Verordnung
Die Verordnung (EU) Nr. 655/2013 verlangt, dass Aussagen wahr, belegbar und nicht irreführend sind. Konkret:
- „parabenfrei“ gilt als irreführend, weil es eine zugelassene, als sicher bewertete Stoffgruppe diskreditiert.
- „tierversuchsfrei“ als Alleinstellung ist heikel, da in der EU ohnehin Pflicht – besser ein anerkanntes Siegel.
- „hypoallergen“ nur, wenn das Allergiepotenzial nachweislich minimiert ist.
- „klinisch getestet“ setzt eine protokollkontrollierte Studie voraus.
Neu ab 2026: Die EmpCo-Richtlinie verbietet ab dem 27.09.2026 pauschale Umweltaussagen wie „nachhaltig“ ohne Beleg sowie „klimaneutral“ auf reiner Kompensationsbasis – mit Bußgeldern bis zu vier Prozent des Jahresumsatzes. Zertifizierte, belegte Aussagen werden damit zur sicheren Wahl.
Warum Siegel im Beauty-Markt die Conversion treiben
Der Naturkosmetik-Umsatz in Deutschland liegt bei rund 1,5 Milliarden Euro (2024, variiert) und wächst weiter. Siegel reduzieren das wahrgenommene Kaufrisiko, schlagen Eigenaussagen im Kampf gegen Greenwashing-Skepsis und sind oft Eintrittskarte in selektive Drogerie-Sortimente. In Onlineshops entscheiden Filter wie „vegan“ oder „Naturkosmetik“ sogar über die Auffindbarkeit. Wie Sie Siegel auf der Website platzieren, zeigt der Beitrag Testsiegel auf Website und Shop platzieren; für Social Media gibt es den Leitfaden Testsiegel auf Social Media nutzen.
Das passende Siegel auswählen und beantragen
Auswahl in fünf Schritten
- Positionierung und Zielgruppe klären (Natur, vegan, sensible Haut, Premium?).
- Rezeptur prüfen – was ist überhaupt erfüllbar?
- Anforderungen des Ziel-Handels checken.
- Bekanntheit und Glaubwürdigkeit des Siegels abwägen.
- Sortimentslogik beachten (manche Siegel verlangen Mindestanteile am Sortiment).
Ablauf der Zertifizierung
Typisch sind Dokumentenprüfung (Rezepturen, INCI, Herkunftsnachweise), ein Vor-Ort-Audit, das Zertifikat und eine Re-Zertifizierung meist nach zwei Jahren. Ein roter Faden für alle Schritte ist der Leitfaden Testsiegel für Hersteller.
Typische Fehler im Beauty-Marketing
- „parabenfrei“ oder „konservierungsmittelfrei“ als Werbung – abmahngefährdet.
- vegan und tierversuchsfrei gleichsetzen.
- selbst gestaltete Pseudo-Siegel ohne unabhängige Prüfung.
- Werbeaussagen ohne Beleg in der Produktinformationsdatei.
- laufende Kosten und Re-Audits unterschätzen.
Vertrauen im Beauty-Markt aufbauen
BetterPick unterstützt Kosmetik-Hersteller bei der Auszeichnung ihrer Produkte. Verschaffen Sie sich einen Überblick über die Lizenzmodelle und werben Sie rechtssicher mit Ihrem Siegel.
Häufige Fragen (FAQ)
Sind Testsiegel für Kosmetik gesetzlich vorgeschrieben? Nein. Pflicht sind Sicherheitsbewertung, Produktinformationsdatei und CPNP-Notifizierung. Siegel wie NATRUE oder Leaping Bunny sind freiwillig.
Was ist der Unterschied zwischen vegan und tierversuchsfrei? Vegan bedeutet ohne tierische Inhaltsstoffe, tierversuchsfrei ohne Tierversuche. Nur Kombi-Siegel decken beides ab.
Darf ich in der EU mit „tierversuchsfrei“ werben? Heikel, da Tierversuche ohnehin verboten sind. Ein anerkanntes Siegel ist die sauberere Lösung.
Ist „parabenfrei“ erlaubt? Als Werbung problematisch, weil zugelassene Parabene als sicher gelten und der Claim eine erlaubte Stoffgruppe diskreditiert.
Welches Naturkosmetik-Siegel ist am strengsten? demeter gilt als strengstes, NATRUE als besonders streng bei der Verarbeitung, COSMOS als international am weitesten verbreitet.
Was ändert sich 2026 bei Werbeaussagen? Die EmpCo-Richtlinie verbietet ab September 2026 pauschale Umweltaussagen und kompensationsbasierte „klimaneutral“-Claims.